DG und Leo Tolstoi: GESCHICHTE GANZ NAH

Das Shellac Project von Deutsche Grammophon erschließt historische Schätze aus dem Archiv des Labels. Der nunmehr fünfte Teil der Reihe enthält Lesungen von Tolstoi, Beispiele des Belcanto und das Klavierspiel eines Wiener Meisters.

  • Leo Tolstois Gedanken über das Leben: Lesungen des wohl bekanntesten russischen Schriftstellers in deutscher, französischer, englischer und russischer Sprache
  • Eine Zeitreise ins zaristische St. Petersburg: Stars des Mariinski-Theaters
  • Die Kunst des Belcanto: Mattia Battistini, Titta Ruffo, John McCormack und Hermann Jadlowker
  • Die verlorene Welt des habsburgischen Wien: der österreichische Pianist Alfred Grünfeld

Im Februar 2019 erscheint der fünfte Teil von The Shellac Project – dem Restaurationsprojekt von Deutsche Grammophon in Zusammenarbeit mit Google Arts & Culture. Leo Tolstoi liest aus seiner umfangreichen Sammlung von philosophischen und spirituellen Reflexionen. Zu hören sind außerdem Lieder und Arien, die von Stars des Mariinski-Theaters vor der Oktoberrevolution in St. Petersburg eingespielt wurden, verschiedene Aufnahmen, die in der goldenen Ära des Operngesangs zwischen 1907 und 1913 entstanden und das Klavierspiel des österreichischen Pianisten Alfred Grünfeld. Alle Stücke aus The Shellac Project werden in einer Ausstellung auf der Google Arts & Culture App für iOS und Android sowie Online auf der Plattform von Google Arts & Culture unter g.co/deutschegrammophon vorgestellt.

Nur ein Jahr vor seinem Tod nahm Leo Tolstoi (1828–1910) Auszüge aus seiner Anthologie Für alle Tage auf. Vier davon wurden nun für The Shellac Project restauriert und digitalisiert. Tolstoi hat hier seine universalistischen Vorstellungen in vier Sprachen vertont, Themen wie die Kraft spiritueller Erkenntnis, die Notwendigkeit persönlicher Verantwortung, das Streben nach Freiheit oder der Irrsinn in der Suche nach materiellem Gewinn. Es sind Erkenntnisse, die zum Nachdenken anregen, vorgetragen vom russischen Titanen selbst und klarer denn je zu verstehen dank der digitalen Transfertechnologie der Deutschen Grammophon, die den mehr als 100 Jahre alten Aufnahmen bessere Klangqualität verleiht.

Ebenfalls aus Russland stammen Aufnahmen, die während der letzten Jahre des Zarenreichs am Mariinski-Theater in St. Petersburg entstanden. Beispielsweise vom Bassisten Lew Sibirjakow (1869–1942), dessen meisterhafter Gesang in der 1912 eingespielten Arie des Gremin aus Tschaikowskys Eugen Onegin zu hören ist. Die Qualität des Mariinski-Ensembles hingegen zeigt sich in einer sensationellen Aufführung des Quartetts aus dem 3. Akt von Glinkas Ein Leben für den Zaren, das 1909 mit Sibirjakow, der Sopranistin Maria Mikhailowa, der Mezzosopranistin Galina Nikitina und dem Tenor Andrej Labinski aufgenommen wurde.

Wer sich für Gesangsstile vergangener Epochen interessiert, wird in einer Auswahl von Belcanto-Darbietungen auf seine Kosten kommen. Interpreten sind unter anderem die legendären italienischen Baritone Mattia Battistini und Titta Ruffo; der irische Tenor John McCormack, der ein Star auf beiden Seiten des Atlantiks war, als er 1913 »Questa o quella« aus Verdis Rigoletto aufnahm; und der weniger bekannte, aus Lettland stammende Tenor Hermann Jadlowker, der 1909 Mitglied der Königlichen Oper in Berlin wurde, später Oberkantor der Großen Synagoge in Riga war und kurz vor dem zweiten Weltkrieg nach Palästina auswanderte. Bemerkenswert sind auch die Tonleitern, Arpeggios und Stimmübungen, die Richard Mayr (1877–1935) 1909 in Wien aufnahm. Der österreichische Bassbariton, der den Ochs in der Wiener Erstaufführung von Strauss’ Der Rosenkavalier sang, wurde einst von Mahler überzeugt, sein Medizinstudium zugunsten einer Opernkarriere aufzugeben. Hier demonstriert er seine stimmliche Beweglichkeit in Auszügen aus »Professor Fischer’s New Method of Singing«.

Erinnerungen an das kaiserliche Wien leben auf in 17 Stücken, die der österreichische Pianist Alfred Grünfeld (1852–1924) einspielte. Grünfeld studierte am Prager Konservatorium und in Berlin, war Hofpianist des deutschen Kronprinzen und wurde 1897 zum Professor am Wiener Konservatorium ernannt. Sein subtiler Anschlag und seine makellose Technik zeichnen die Aufnahmen aus, die er Anfang des 20. Jahrhunderts von seinen eigenen Kompositionen machte, darunter Etude à la tarentelle und Paraphrase über Walzer-Motive aus J. Strauss’ »Aschenbrödel«. Darüber hinaus bietet The Shellac Project seine Darbietung von Schuberts Impromptu Nr. 2 in Es-Dur, D 899 und Interpretationen von Stücken von Bach, Chopin, Grieg und Schumann.

Zwei neue Videos begleiten diese fünfte Folge des Schellack-Projektes: ein Film zu Tolstoi und die Erläuterungen der technischen Herausforderungen in der Frühzeit der Tonaufnahme von Emil-Berliner-Produzent und -Tonmeister Rainer Maillard.

 

Alle digital neu abgemischten Tracks sind verfügbar auf den DG-Kanälen
und auf Partner-Plattformen wie
YouTube Music, Google Play Music, Spotify, Apple Music und Amazon.

 

https://artsandculture.google.com/exhibit/cwLSla_BJlVMJg

 

https://dg120.info/the-shellac-project-trailer-2018/

 

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